Selbstgemacht: Bulli-Gardinen

Wenn man im Bulli übernachten oder andere Dinge ungestört tun möchte, bietet es sich an, die zahlreichen Fenster mit Vorhängen auszustatten. das hält Sonnenlicht, insbesondere aber auch fremde Blicke ab.

Dröppel kam mit Gardinen zu uns. Die waren zwar selbstgenächt, aber erstens ziemlich transparent und zweitens ziemlich hässlich. Wenig überraschend, dass ich davon kein Foto habe.

Neue mussten also her. Natürlich kann man fertige passende Gardinen-Sets kaufen. Wenn man denn bereits ist, sie auch zu bezahlen. Waren wir nicht.

Also selbermachen? Eine kritische Bestandsaufnahme meiner Nähkenntnisse kam zu dem Ergebnis, dass das Projekt durchführbar sein könnte. Das Befestigungssystem mit einer Metallschiene oben und einem Kunststoff-Spannband unten macht es mit nicht schwer. Außerdem hatte ich ja auch die hässlichen Dinger als Vorlage.

12769479_1270037029678066_470638889_nUnd weil ich zugeben muss, doch etwas Respekt vor meinem bis dahin größten Näh-Projekt gehabt zu haben, war erstmal fleißiges Messen und Skizzenmachen angesagt. Und nochmal nachmessen. Sind die beiden Fenster wirklich gleichgroß? Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem ich mich traute, von der Theorie langsam zur Praxis zu kommen. Und erstmal Stoff zu kaufen, in der Hoffnung, dass meine Berechnungen halbwegs stimmen.Immer noch leicht zweifelnd erstand ich also einigen Meter einfachen roten Stoff bei IKEA – unter anderem, weil er sehr günstig war, so dass mein Versagen keinen all zu großen Schaden angerichtet hätte.

IMAG11672Für die Gardine an der Heckklappe hat Björn noch ein besondere Fundstück vom Dachboden seiner Oma aufgetan. Ein 70er-Jahre-Traum in rot-orange! Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wozu dieser Stoff ursprünglich mal gedacht gewesen sein könnte, aber als Bulli-Gardine funktioniert er.Als Kleiderstoff scheint er mir gänzlich ungeeignet, als Sitzbezug ist er viel zu dünn, für Gardinen ist eigentlich der Druck zu steif… Möglicherweise ist der Vorbesitzerin auch einfach nichts eingefallen, was man damit anfangen könnte. Dafür bin ich in diesem Fall dankbar, denn so kann ich ihn jetzt nutzen. Der Stoff selbst ist recht großmaschig und fludderig, der Druck darauf allerdings vergleichsweise fest, was ihn nicht unbedingt leicht zu verarbeiten macht.

 

IMAG1157Irgendwann habe ich mir dann ein Herz gefasst und die Schere das erste Mal angesetzt. Und dann die Nadel. Naja, irgendwie war es dann gar nicht mal so schwer, eigentlich müssen nur viele lange gerade Nähte genäht werden. Allerdings sollte man dabei dringend auf die richtige Reihenfolge achten. Ich spreche da aus Erfahrung. In meinem Fall konnte ich mit ein bißchen Trickserei aber verhindern, dass mich das all zu viel Zeit und Nerven kostet.

Nachdem mich das Erfolgserlebnis, die erste Gardine fertig zu haben, in Hochstimmung versetzt hatte, verbrachte ich auch den Rest des Nachmittags an der Nähmaschine. Naht für Naht näherte ich mich dem Ziel und muss gestehe, durchaus stolz auf mich gewesen zu sein, als es endlich erreichat war.

Die „Anprobe“ brachte dann nochmal die große Erleichterung: alles passt!

Und so sehen die Vorhänge im mittlerweile deutlich verblichenen Zustand aus.

Man hätte natürlich auch unten einen Tunnel nähen  und ihn über das gespannte Band schieben können – aber das war mit zu aufwändig und eigentlich finde ich es so sogar schöner.

Die Gardinen lassen noch relativ viel Licht durch. (Sieht auf den zugegebenermaßen ziemlich schlechten Bildern aber auch schlimmer aus, als es ist) Das ist natürlich Geschmackssache, mich stört’s nicht, ich dunkle auch zuhause mein Schlafzimmer nicht ab. Würde man das als störend empfinden, könnte man natürlich einfach einen anderen Stoff nehmen.

Für die verschiedenen Fenster haben wir übrigens insgesamt drei verschiedenen Vorhang-Varianten.

Seitenfenster

Befestigung wie oben beschrieben, daher recht einfach:

  • Fenster (bzw. Länge der Befestigung) ausmessen
  • Stoff zuschneiden: 1,5-fache Fensterbreite, gewünschte Länge +13cm
  • Seitenränder und unteren Rand 2x2cm einklappen, festnähen
  • oberen Rand 2x5cm einklappen, festnähen
  • schon fertig

Heckklappenfenster

Wir haben hier über und unter dem Fenster eine Metallschiene, so dass ich etwas anders vorgegangen bin – auch weil der Stoff sich so am besten verarbeiten ließ.

  • Abstand zwischen den Schienen und Breite des Fensters ausmessen
  • Stoff zuschneiden: 1/2 Fensterbreite + 6cm (ggf. auch mehr) , 2-facher Abstand +6cm
  • Seitenränder jeweils 2x1cm umklappen, festnähen
  • kurze Seiten zusammennähen (dazu Stoff rechts auf rechts falten und nach den Nähen wieder umdrehen)
  • fertig

 

Die entstandenen „Schläuche“ werden einfach über beide Metallschienen gezogen und lassen sich so ohne viel gefummel hin und her bewegen.

Das ist sicher nicht die elganteste Lösung, aber einfach. Und in unserem Fall ließ die Stoffbreite nichts anderes zu. Es reicht, um die Heckscheibe komplett zu bedecken – aber nur so gerade eben. Was soll man tun, der Stoff ist halt nicht breiter. Da machste nix!

Ein drittes Element würde die Sicht beim Fahren behindern, das ist ja auch keine Lösung…

Hat da jemand gesagt, man hätte einen anderen Stoff nehmen können? Also bitte! Der Stoff hat 40 Jahre auf seinen großen Auftritt gewartet, da konnte ich ihn doch nicht schon wieder vertrösten! Mal abgesehen davon, das für mich sofort klar war, dass es genau dieser Stoff sein muss.

Schiebetür

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Auch hierfür soll es eine Befestigungsmöglichkeit mit Metallschiene geben, wie ich mittlerweile in den unendlichen Weiten dieses Internets herasugefunden habe. Hat Dröppel aber nicht. Wir haben das ziemlich einfach und günstig gelöst. Ein Spanngummi wird auf der einen Seite an der Gardinenschiene, auf der anderen Seite in den Führungsarm der Schiebetür eingehakt.

Das Ergebnis:

  • Tür zu = Gummi gepannt = Vorhang lässt sich auf und zu ziehen
  • Tür auf = Gummi hängt durch = Vorhang hängt neben der Rückbank runter

Durchaus praktisch.

Allerdings sollte man von Zeit zu Zeit das Spanngummi austauschen. Die Elastizität hat bei uns mittlerweile deutlich nachgelassen. Vielleicht gibt es diesesmal auch eins in rot statt in fiesem gelb.

Nach eineinhalb Jahren sind die Gardinen von einer Seite übrigens eher rosa, und zwar auf die fleckige Art – all zu viel Sonnenlicht bekommt der Farbe nicht gut. Sieht blöd aus. Da ich aber wenig Lust habe neue zu nähen, zumal sie abgesehen vond er Farbe auch noch ganz okay aussehen, werde ich wohl den versuch unternehmen, sie einfach nachzufärben.

Vielleicht gibt es dann nächstes Jahr endlich neue.

Ich weiß ja jetzt, wie’s geht.

 

 


6 Gedanken zu “Selbstgemacht: Bulli-Gardinen

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